WARUM SIND TATTOOS SO KOSTSPIELIG? 

Eine gute Tätowierung hat in der Regel ihren Preis.
Besonders in Zeiten wie diesen, wo die Corona Krise so ziemlich alle Dienstleistungen und damit auch Tattoostudios lahm legt, wird es erneut wichtig aufzuklären, warum ein Tattoo ’so viel‘ kostet und was es für Tätowierer bedeutet, Verdienstausfälle überbrücken zu müssen.

 
Wir klären auf, wie sich der Preis eines Tattoos zusammenstellt, warum Anzahlungen für einen Termin so essentiell sind und faire Klienten einfach die coolsten sind.

 

 

Die neuen Sneaker für 180 Euro, der Friseurbesuch für 120 Euro, Klamottenshopping für 350 Euro usw. 
Gerne geben wir Geld für schöne Dinge aus, manchmal ist uns dabei gar nicht so bewusst, dass diese Gegenstände oder die Dienstleistung vergänglich sind.
Ein Tattoo begleitet dich ein Leben lang. Warum also hier sparen? 

 

Sagen wir mal dein Tätowierer / deine Tätowiererin hat einen Startpreis von 80 Euro.
Scheint erstmal viel Geld für z.B. einen kleinen Buchstaben am Handgelenk oder das Herzchen am Finger, oder?
Was legt diese Summe fest?
Wir verraten es dir.

 

 1.  MIETE & LAUFENDE KOSTEN

Mieten schwanken natürlich stark je nach Region.
So zahlt der Tätowierer / die Tätowiererin in der Münchener City wahrscheinlich viel mehr Miete für seinen / ihren Laden als die Kollegen im Vorort von Bochum. So schwanken natürlich auch Tattoopreise von Region zu Region oder auch von Land zu Land.
Zur Miete kommen dann die laufenden Kosten wie Wasser, Strom, Heizung, Müllabfuhr, Internet, Telefon usw.
Halt eben alles, was im Studio von Nöten ist.

2. MATERIALKOSTEN

Angefangen bei Maschinen über Nadeln, Griffstücke und Farbe aber auch Einwegmaterialien wie Folie, Holzspatel oder Rasierer über Hygieneartikel wie Handschuhe und Desinfektionsmittel. Nicht zu vergessen Druckerpatronen, Papier, Stifte usw.
All diese Materialien sind essentiell fürs Tätowieren und müssen regelmäßig eingekauft werden für den täglichen Gebrauch. 
Hinzu kommen Studioeinrichtung, vielleicht ein Kühlschrank mit Kaltgetränken, Zeitschriften auf dem Tisch, Bilder an der Wand uvm.

 

3. STEUERN UND VERSICHERUNGEN

Die meisten Tätowierer und Tätowiererinnen sind Selbstständige.
Das bedeutet, sie müssen in der Regel eine Umsatz- sowie eine Einkommensteuer an das Finanzamt zahlen.
Diese Beträge müssen auf den Preis der Dienstleistung umgelegt werden.
Auch Versicherungen wie z.B. die gesetzliche Krankenkasse oder Haftpflichtversicherungen für den eigenen Laden müssen
selbst gezahlt werden.

 

4. EIGENER VERDIENST

Trotz all dieser Abzüge sind nur laufende Kosten, Materialien und Steuern gezahlt.
Dein Tätowierer / deine Tätowiererin hat noch nichts an seiner / ihrer Arbeit verdient.
Von diesem Verdienst müssen dann – wie bei allen Selbstständigen & Arbeitnehmern –  private laufende Kosten gezahlt werden.
Der Kühlschrank will gefüllt sein und man möchte vielleicht auch mal nach Feierabend ein Bierchen trinken gehen.

Ziemlich verständlich, warum ein Tattoo seinen Preis hat, oder?

 

5. WARUM ANZAHLUNGEN SO WICHTIG SIND

Eine Anzahlung ist eine Absicherung für deinen Tätowierer / deine Tätowiererin und im Falle eine Falles meist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Bei einem eventuellen Terminausfall begleicht die Anzahlung einen Teil des Verdienstausfalles.
Bei einem Tagestermin von mehreren hundert Euro deckt eine Anzahlung von z.B. 50 Euro nicht einmal die entstandenen Kosten und mehrere Terminausfälle auf einmal können verheerende Auswirkungen für einen Tätowierer / eine Tätowiererin haben, sollte keine Möglichkeit zur Neuterminierung bestehen.

Meist fallen bei großen Tattoos höhere Anzahlungen an als bei kleinen um solchen Problemen vorzubeugen.
Selbst im Krankheitsfall – und es ist definitiv wichtig in diesem Fall immer abzusagen und vor allem zu kommunizieren –  wird die Anzahlung in der Regel aus oben genanntem Grund einbehalten. Nicht um dich zu ärgern oder zu bestrafen.

Als Arbeitnehmer bekommst du im Krankheitsfall weiterhin dein Gehalt gezahlt, bei deinem Tätowierer / deiner Tätowiererin entsteht dann aber genau dieser Einnahmeausfall, der schnell existentielle Auswirkungen haben kann.
Das gilt natürlich genau so, wenn dein Tätowierer / deine Tätowiererin sich beim Kunden ansteckt und krankheitsbedingt ausfällt.
Ein absoluter Rattenschwanz.

 

Mit all diesen Hintergrundinfos ist es definitiv verständlich, dass eine Krise wie die derzeitige Corona Pandemie nicht nur gesundheitlich sehr gefährlich ist sondern auch wirtschaftlich für kleine Unternehmen und Selbstständige neben Arbeitnehmern in der Kurzarbeit oder Großkonzernen.

Finanzielle Hilfe vom Land ist die definitiv eine rettende Überbrückung für viele Selbstständige, die nicht die Möglichkeiten haben, Rücklagen zu bilden.
Falls ihr euren Dienstleister oder Kleinunternehmen in unmittelbarer Nähe unterstützen wollt und könnt solltet ihr nicht zögern.
Kauft Gutscheine vom Onlineshop eures Lieblingsrestaurants oder Café, spendet bei Spendenaktionen euerer Lieblingsbar, kauft Merchandise eurer Lieblingskünstler sowie Klamotten in der Boutique nebenan oder macht weiterhin Termine bei eurem Tätowierer / eurer Tätowiererin in der Zukunft aus.

All diese Unternehmen, Selbstständige und Freelancer werden es euch danken.
In diesem Sinne: Bleibt gesund. Und solltet ihr es nicht sein: Werdet schnell wieder gesund.

 

© TDS 2020/04